Wann kommt die nächste Blase?

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Where’s the next bubble? / Wo ist die nächste Blase? (Jeffrey Kleintop – 10. Juli 2017)

In seinem Artikel „Where’s the next bubble?“ schreibt Jeffrey Kleintop über Charakteristika vergangener und über potentielle Kandidaten für zukünftige Marktblasen.

Im Laufe der Geschichte sind Marktblasen vielfach und rund um den gesamten Globus aufgetreten. Charakterisiert ist eine Investitionsblase durch eine Welle des Optimismus, die die Preise über das gerechtfertigte Niveau hinaus ansteigen lässt, was letztendlich in einem Crash endet.

Die Verhaltensfinanztheorie führt die Entstehung von Blasen auf irrationales Investitionsverhalten zurück, welches durch Gruppendenken und Herdenmentalität gekennzeichnet ist. Alles, was es dazu brauche, seien das Zusammentreffen eines steigenden Preises mit einer über-optimistischen Zukunftserwartung, welche mehr und mehr Anhänger finde und dadurch den Trend verstärke. Wenn die Prognose sich als zu optimistisch herausstellt, kommt es zum Platzen der Blase. Dies birgt in der Regel Risiken für alle Investoren, auch wenn sie nicht in den sich aufblasenden Wert investiert haben, da Investitionsblasen einen größeren Markt und die Wirtschaft repräsentieren, die aus der Balance geraten und abhängig von einer fehlerhaften Prognose geworden sind.

Potentiell für Märkte und Wirtschaft gefährliche Blasen scheinen gemeinsame Charakteristika zu haben, die es möglich machen könnten, sie zu identifizieren, bevor sie platzen. In der Vergangenheit sind viele Marktblasen um ca. 1000% in 10 Jahren gewachsen, bevor sie platzten und die Preise in den beiden darauffolgenden Jahren um insgesamt etwa die Hälfte einbrachen (Beispiele der letzten 20 Jahre: wertvolle Metalle, Rohöl). Die Aufbauphase von 10 Jahren zeigt, wie eingebettet in die Märkte die Blase im Laufe der Zeit ist.

Auf Grundlage der Fragen von Investoren, die Jeffrey Kleintop erreichen, sind die vier meist benannten Risikokandidaten für die nächste Blase Kryptowährungen, (geringe) Volatilität, Internethändler und Zentralbankanleihen. Erstaunlich daran ist, dass keiner davon das klassische Profil von risikoreichen Blasen erfüllt, nichtsdestotrotz können sie aber Risiken für Investoren bergen.

Kryptowährungen:

Bitcoin als beliebteste Kryptowährung ist sogar um mehr als 1000% gewachsen, allerdings in einer deutlich kürzeren Zeitspanne als 10 Jahre. Dies könnte bedeuten, dass, wenn die Blase platzen sollte, dies wahrscheinlich keine so gravierenden Folgen für Märkte und Wirtschaft hätte wie z.B. die Technologieblase.

Volatilität:

Es gibt viele Bedenken, dass die Marktvolatilität zu gering sei, Kleintop wiederspricht dem allerdings. Fakt sei aber, dass die Marktvolatilität gering ist und, dass viele Investments von geringer Volatilität profitieren, andere gar direkt an die Volatilität gebunden sind, so z.B. der S&P 500 VIX Short-Term Futures Inverse Daily Index. Gegeben, dass individuelle Investoren erst in den letzten ca. 9 Monaten Nettokäufer von Aktien geworden sind und gemäß des Investment Company Institute, ist es möglich, dass die geringe Volatilität und das konstante Wachstum der Märkte vielleicht nur mehr Investoren zu den Aktien und damit weg vom Bargeld gezogen haben und bisher keinen über-optimistischen Ausblick darstellen, wie er typisch für eine Blase wäre.

Internethändler:

Die kleine Sub-Industrie von Internetaktien, die Internethändler, ist seit ihrem Tief im März 2009 um mehr als 1000% gewachsen. Die relativ kleine Größe der Sub-Industrie im Vergleich zum gesamten Aktienmarkt macht es schwer, dies eine typische Blase zu nennen und könnte die Auswirkungen eines Platzens der Blase limitieren.  Anders als typische Blasen, die einen generellen optimistischen Ausblick fördern, haben diese Firmen bereits einen negativen Einfluss auf die Aktien traditioneller Händler. Dies wird deutlich daran, dass im selben Zeitraum die Aktien der Handelsbranche insgesamt nur um 500% gewachsen sind.

Zentralbankanleihen:

Das Wachstum der kombinierten Gesamtaktiva in den Bilanzen der wichtigsten Zentralbanken betrug in den letzten 10 Jahren ca. 300%.

Nur, weil die Aktiva der Zentralbanken nicht ins typische Profil einer Blase passen, heißt dies nicht, dass Schuldenwachstum kein Problem sei. Die Schulden in der Weltwirtschaft sind schon weit mehr als 1000% gewachsen und dies schon deutlich länger als 10 Jahre. Die Schuldenlast ist also riesig und fest eingebettet in die Weltwirtschaft. Es liege demnach näher, dass das weltweite Anhäufen von Schulden eine Langzeitverpflichtung repräsentiere, die droht, Rezessionen zu verschärfen, als eine Blase, die bald platzen wird.

 

Unter diesen vier genannten potentiellen Kandidaten für eine Blase scheint sich nach Meinung des Autors keine Blase zu befinden, die in nächster Zeit zu platzen drohe. An dieser Stelle sollte allerdings nicht vergessen werden, dass manche Blasen erst in der Rückschau erkennbar sind.

Es sollte darüber hinaus bedacht werden, dass Blasen sich möglicherwiese (weiter)entwickelt haben und das klassische Profil vielleicht nicht mehr passend ist. Unter Umständen kann heute, dank sozialer Medien, aktiveren Investoren und der Fähigkeit einzelner schnell wachsender Werte, deutlich hervorzustechen in einem ansonsten langsam wachsenden Umfeld, eine optimistische Prognose die Preise noch schneller wachsen lässt und sie kann eventuell noch schneller eingebettet werden in den Markt, als in der Vergangenheit.

Die Entwicklung wird weiter beobachtet werden, denn während Marktblasen sich vielleicht verändern mögen, verschwinden werden sie wohl nicht.

 

Quelle: Kleintop, Jeffrey: Where’s the next bubble? http://www.schwab.com/public/schwab/nn/articles/Where-s-the-Next-Bubble. 10.07.2017.

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